Nach dem zweiten Dürre-Sommer: Wie geht es unseren Bäumen? – im Interview mit Förster Milan Hänsel

Oktober 12, 2019

Das ganze Interview gibt’s bei Viertel \ Vor.

Es regnete zu wenig, viele Bäume sind zu trocken oder bereits abgestorben. Allgemein werden unseren Wäldern in den Medien eher düstere Aussichten prophezeit. Grund genug, dass wir im Spätsommer nach Brandenburg gefahren sind, um Milan Hänsel zu treffen – und mal konkret nachzufragen. Wie geht’s dem deutschen Wald nun wirklich? Milan ist Förster, Grafikdesigner, Produktmanager, Familienvater, politisch aktiv und: Optimist. Wir wollten wissen, was die Dürresommer mit Bäumen machen, wieso das schlimm ist, aber noch nicht alle Hoffnung verloren. Bei einem ausführlichen Spaziergang hat Milan uns beispielsweise erklärt, wieso Brände sogar gut sein können. Alles mit einem Lächeln im Gesicht, immer positiv.

Milan – Wie geht es denn unseren Bäumen?

Schlecht. Natürlich sehen wir, wenn wir aus dem Fenster schauen: Es ist trocken. Durch zwei sehr regenarme Sommer sind viele Bäume jetzt schlichtweg vertrocknet und andere nicht mehr so vital, sehr geschwächt und anfällig für Krankheiten.

Nur im Wald? Oder ist das bei unseren Stadtbäumen auch so?

Mit Sicherheit haben es die Stadtbäume momentan um einiges schwieriger als die Waldbäume, weil sie so einkorsettet sind. Auf der anderen Seite gibt es in der Stadt auch viele Menschen, die sich um die Bäume kümmern können. Und da Stadtbäume super wichtig für die Regulierung der Luftqualität und der Temperatur in der Stadt sind, werden die Bäume von Stadtförstern gepflegt. Deshalb hat auch jeder Baum eine Plakette mit Nummer darauf. Die Bäume im Wald sind dafür etwas mehr auf sich gestellt.

Was passiert, wenn wir unseren Baum vor der Berliner Haustür in heißen Sommern nicht mit den von den Medien empfohlenen 60-70 Litern gießen. Sterben sie eher ab als Waldbäume?

Durch weniger Wasser werden sie schwächer. Und dadurch werden sie anfälliger für Folgekrankheiten. Das kann sich mehrere Jahrzehnte hinziehen, bis der Baum vollends stirbt. Allerdings wird er während des Absterbeprozesses schon instabil. Wenn man sich dann einen nicht mehr standsicheren Baum auf einem Kinderspielplatz vorstellt, dann sollte man zuerst an die Verletzungsgefahr der Bewohner der Stadt denken: Das ist das aufgeschobene Problem der Stadtbäume.

Wir haben aber schon das Gefühl, dass man im August in Berlin schon durch die Straßen gelaufen ist und die Bäume ihre Blätter abgeworfen haben: Es wirkte schon früh herbstlich. Macht da jemand was?

Dass Bäume ihre Blätter jetzt schon abwerfen, hat zwei Gründe. Der erste ist ganz einfach der: Es ist zu wenig Wasser da und die Bäume möchten weniger verbrauchen, deshalb werfen sie die Blätter ab, um Wasser einzusparen. Dabei ist der Baum noch lebendig, aber verliert an Kraft. Die zweite Möglichkeit ist nicht so schön: Sie werfen sie ab, weil sie einfach vertrocknet sind. Das zeigt aber auch: Braune Blätter an sich sind erstmal nicht unbedingt dramatisch, man muss sie nur weiter beobachten.

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